Warnemünder Woche 2009
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Warnemünder Woche
Bericht:
73. Warnemünder Woche – Laser EuropaCup, 4.-7. Juli 2009
Bericht in Bruchstücken.
Warum die Jugend-Euro (nicht zum ersten Mal) genau auf den Europacup-Termin in Warnemünde gelegt werden muss, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Wie immer, das Radialfeld ist zwar mit knapp über 70 Booten deutlich kleiner als gewohnt, aber deshalb auch nicht gerade schwach besetzt. Bei den Mädels gewinnt Sarah Steyaert aus Frankreich knapp gegen Australiens Jungstar Gabrielle King, dominiert werden beide von Altmeister Jon Emmet. Bei den Standards fehlen große Namen – vielleicht ist das Feld ja doch nicht so schnell wie in den letzten Jahren? Grober Irrtum, doch davon später.
Anreise mit dem Autozug, den Laser huckepack obendrauf. Hat sich schon einmal bewährt, spart gut achthundert Autobahnkilometer, Staus und Nerven. Tatsächlich? Nun ja, Letzteres nicht unbedingt. Werde schon am Weg zur Verladerampe aufgehalten. „Die Plane muaß runter“ – „Seit wann??“ – „Immer scho.“ – „Aha. Aber beim letzten Mal bin ich auch…“ – „Kann sein, oba so können’s ned auf den Zug.“ Also Gurten runter, Mastteile weg, Persenning weg, Masten wieder drauf, Boot wieder festgezurrt. Weiter zur Verladerampe - der Verlademeister telefoniert schon ganz aufgeregt. „Können’s des Boot ned umdrehen?“ – „??“ – „Naja, mit dem Bug nach hinten“ – „??!!“ Ich brauche eine Weile, um das Problem zu erkennen. Auf diesem Zug stehen also alle Autos mit der Nase gegen die Fahrtrichtung, und hinten lässt sich der Laser schwerlich runterbinden. Mmmh. Also im Rückwärtsgang auf die steile Rampe. Am nächsten Morgen verkehrt wieder runter - das Boot fast schwarz, überzogen von Öl, Schmiermittel und was sonst noch Oberleitungen tropft. Ach so, ich hab ja die Persenning abmontiert….
Rule 18 der (als 50-seitiges Buch erscheinenden) Segelanweisungen: “….a race may be abandoned if the wind speed drops below 5 knots….” Der Wettfahrtleiter braucht sich um die Regel aber nicht zu sorgen - an keinem der vier Regattatage hat es mehr als 5 Knoten. Na wenigstens ist nicht nur am Attersee zum Europacup kein Wind.
Nichts Neues im Norden. Die Woche ist genial wie immer, frischer Fisch an jeder Ecke, nachmittags nach den Wettfahrten laufen, schwimmen oder einfach nur faulenzen am Strand, abends in eine der Seefahrerkneipen am Alten Strom… freu mich schon auf nächstes Jahr. Leider hat’s nicht allen so gefallen – fragt doch Gregor, was er über die deutsche Gastfreundschaft zu erzählen weiß…
Es ist Samstag früh, Frühstück auf der Veranda meiner Pension am Alten Strom. Wenig später beginnt der „Warneminner Ümgang“, schon zieht ein bunter „Spielmannzug“ mit einer fröhlichen Melodie vorbei. Woher kommt mir das so bekannt vor? Die Gedanken enden immer wieder… auf der Skihütte…??? ... ja doch, natürlich: „Anton aus Tirol“!! Weltmusik aus Österreich. Sein
Meisterstück auf der Regattabahn liefert derweil (beinahe) Fabian Schmidinger. Bis zum Schlusstag unter den Top 10 im Radialfeld, wirft ihn eine weitere Windschweinerei in der letzten Wettfahrt auch in der Endabrechnung weit zurück. Dennoch eine sensationelle Leistung – wenn er so weitermacht, komme ich im nächsten Jahr wieder – werde dann von einem Stockerlplatz berichten…
Übermüdet und unkonzentriert sollte man nicht in einen Wettkampf gehen, schon gar nicht in einen internationalen. Überstrapaziertes Material ist dann auch nicht sonderlich hilfreich – in der 3. Wettfahrt bricht dann die Ruderaufhängung, an ein Weitersegeln nicht zu denken. Schlepp in den Hafen? – Fehlanzeige. Also ein Schnürl aus dem Kübel gefischt, in McGyver-Manier das Teil festgemacht und heimgesegelt. An dieser Stelle besten Dank an Wolf-Dieter Niessen für das Herborgen eines brandneuen Ruderkopfs – hat mir noch ein paar Segelstunden ermöglicht. War seinerseits übrigens total begeistert von der Masters-Serie in Breitenbrunn…
Noch nie war das Standardfeld so dicht wie diesmal – für Touristen war heuer aber schon gar nichts zu holen. Auf der Kreuz ist noch irgendwie Schadensbegrenzung möglich, aber bergab ist der Grundspeed ein ganz andrer als zuhause. Kein Auftrag. Was sich an der Spitze abspielt, kann ich wie so oft nur in den Ergebnislisten nachlesen. Polen gegen Dänemark lautet lange Zeit das Duell um die vordersten Plätze, schließlich gewinnt einer der jungen Polen. Auf Platz zwei schiebt sich Mike Bullot aus Neuseeland, der ist kein ganz Unbekannter. Und den Namen seines Landsmanns hat man auch schon mal gehört…Matt Coutts wird am Ende 17.
Die schwarze Fahne gibt’s praktisch vom ersten Start weg – der traditionell unfähige Wettfahrtleiter wundert sich wahrscheinlich heute noch, wieso im Laserfeld immer alle drüber sind (bei einer 30° schiefen Linie und Strom von hinten). Wie immer, auch das ÖLV-Team bleibt nicht verschont - bei ausnahmslos jedem Start findet sich ein „AUT“ auf der Kreidetafel. Sogar der Autor schreibt einmal an, erster Frühstart in 15 Jahren (!!). Irgendwie bezeichnend. Aber in die Wertung hat er’s trotzdem nicht geschafft – die 6. Wettfahrt sollte nicht mehr zustande kommen.
Einen Wolkenbruch beim Aufladen und eine gewohnt öde, emotionslose Siegerehrung später ist die Warnemünder Woche 2009 schon wieder vorbei – auf ein Wiedersehen 2010 freut sich
Martin (AUT 143559)













